Sonntag, 12. August 2018

Teil 4 - Der Aufenthalt in der Kurzzeitpflege

Teil 4 – Der Aufenthalt in der Kurzzeitpflege

Nun bin ich noch in der Kurzzeitpflege. Allerdings seit rund 1,5 Monaten. Und das nennt sich inzwischen anders. Es wurde verlängert, weil bei mir zu Hause einige Dinge gemacht werden müssen. So bekomme ich ein Krankenbett und im Bad müssen Haltestangen an die Wand, damit ich duschen kann, ohne, dass ich dort umkippe, weil mir noch die Kraft fehlt und das Gleichgewicht.

Am Anfang hat mir das auch hier alles sehr gefallen. Die Umgebung ist ansprechend. Die Mitarbeiter sind freundlich. Also da hatte ich nichts zu meckern. In meinem Einzelzimmer hatte ich meine Ruhe. Dies hatte ich auch am Ende eines Gangs. Also vor meinem Zimmer war auch kein „Durchgangsverkehr“. Ich hatte auch meist die Tür offen, damit frische Luft durchzog. Denn die Fenster hatte ich auch immer offen.

Das einzige was mich hier störte war, dass es hier kein freies w-lan gibt. Denn meine Betreuerin hatte mir mein Laptop mitgebracht. Nun musste ich nur noch ins Internet. Ich sah, dass mein Laptop einen öffentlichen Zugang von der Telekom empfangen konnte. Aber der Empfang hier ist immer sehr schlecht. Manchmal war ich ne Stunde drin, aber auch mal nur ein paar Minuten bevor ich wieder rausflog. Das nervt unheimlich. Weil ich selten etwas machen kann. Denn es wird dann immer durch den Rauswurf unterbrochen.


Trotzdem hat es mir hier sehr gefallen. Ich ging auch oft mit meinem Rollator rum. Ich war hoch motiviert und wollte in Bewegung bleiben. Da ich diesen Nerv entzündet habe, versteift auch mein ganzer Körper, besonders die Beine, immer recht schnell. Darum wollte ich in Bewegung bleiben, damit die Muskulatur in Bewegung blieb.




So ging es dann rund 4 Wochen, in denen alles gut war. Doch dann sollte es sich ändern. Mir wurde gesagt, ich muss mein Zimmer wechseln. Und zwar sollte ich in ein Doppelzimmer ziehen. Argument war, dass mein Aufenthalt hier schon 2 mal verlängert wurde, und die brauchten mein Zimmer für eine Dame die kommen sollte. Die konnte natürlich nicht auf einem Doppelzimmer mit einem Mann wohnen. Das konnte ich verstehen. Aber das Argument, dass mein Aufenthalt schon 2 mal verlängert wurde, konnte ich nicht nachvollziehen. Ich bin ja schließlich nicht hier um Urlaub zu machen, sondern weil ich nicht nach Hause kann bevor die Dinge dort geändert wurden.

Der Tag des Umzugs kam dann schon früher als geplant. Mir wurde erst ein Montag genannt, dann hörte ich aber am Freitag, dass ich bereits am Samstag umziehen sollte weil das Zimmer noch gereinigt werden musste.

Dann lernte ich meinen neuen Mitbewohner kennen. Ein 92jähriger Mann. Ich fragte mich sehr schnell, wie man darauf kommt, dass ich mit 49 Jahren zu einem 92jährigen Mann passe.

Und dann merkte ich sehr schnell noch einige Dinge. Er ist schwerhörig. Und das bewirkt dann auch, dass er selber offenbar nicht hört, wenn er Geräusche verursacht. Und das tut er in umfangreichem Maße. Schon alleine wenn er geht, stampft er mit den Füßen schwer auf den Boden auf. So höre ich jeden Schritt.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Dem Mann mache ich hier keinen Vorwurf. Er ist nun mal im fortgeschrittenen Alter und da ist es nicht unüblich, dass er schwerhörig ist und nicht mehr so leichtfüßig geht.

Was ich bemängele ist, dass man MICH hier auf ein Doppelzimmer legt mit einem Mann der 43 Jahre älter ist. Das passt absolut nicht zusammen. Zwar sagen wir guten Morgen und er wünscht mir einen guten Appetit wenn ich morgens im Zimmer frühstücke, aber damit hat es sich auch. Einmal fragte er ob er die Zimmertüre offen lassen soll oder schließen soll. Aber das ist es dann auch an Kommunikation.

Ich wurde in den ersten beiden Nächten ständig wach, wenn er Nachts zum WC ging. Und das kommt oft vor. Auch ansonsten fühle ich mich sehr unwohl hier. Da hatte ich mehr Wohlbefinden in meinem Einzelzimmer. Vor allem hatte ich da auch endlich Ruhe, um zu verarbeiten, dass ich fast gestorben wäre.

Hier ist das nicht möglich. Er ist zwar nicht die ganze Zeit im Zimmer. Doch weil ich mich hier so unwohl fühle, komme ich auch nicht zur Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten und mich darauf zu konzentrieren, wieder fit zu werden. Denn seit ich in diesem Zimmer bin, mache ich viel weniger als vorher.

Auch weil ich mein Laptop hier im Schrank einschließen muss. Ich habe mir zwar 2 Schlüssel besorgt zum Abschließen des Schranks, aber es ist doch sehr umständlich, das Gerät jedes mal einzuschließen.

In meinem Einzelzimmer musste ich nur die Türe abschließen, weil ich mir davon den Schlüssel hab geben lassen, und der Laptop blieb auf dem Tisch stehen.

Auch das morgendliche Duschen ist nun umständlicher. In meinem Einzelzimmer bin ich nach dem Duschen in mein Zimmer gegangen und habe mir die Hose angezogen indem ich mich auf die Bettkante gesetzt habe und das jeweilige Bein entsprechend hoch legen konnte. Eben weil dieser entzündete Nerv auch verursacht hat, dass ich insgesamt nicht so beweglich bin.
Nun muss ich mich im Bad anziehen weil ich nicht nackt hier durchs Zimmer laufen will, wenn mein Zimmernachbar hier im Bett liegt und wie immer guckt was ich mache. Da ich nicht fit bin, ist dies natürlich viel umständlicher im stehen.

Als ich in dem Einzelzimmer war, hatte ich wirklich überlegt, für immer hier zu bleiben, wenn dies möglich ist. Doch diese Gedanken haben sich erledigt. Denn nun bin ich froh, wenn ich wieder zu Hause bin. Und wie gesagt, es liegt nicht an dem Mann persönlich. Es liegt daran, dass ich hier auf dem Zimmer sein muss. Darum bin ich froh, wenn ich hier wieder weg bin.

Ich wollte eigentlich auch das Haus als sehr positiv in meinem Blog erwähnen, weil ich rundum zufrieden war. Doch dafür ist mir die Motivation längst vergangen.

Jedoch hat dies auch einen Vorteil. Durch den Aufenthalt in diesem Zimmer habe ich auch eine Mitarbeiterin kennen gelernt, die ich sehr ansprechend finde. Das passt vom Charakter und vom Wesen her. Ich freue mich, die Dame hier kennen gelernt zu haben. So hat das Ganze wenigstens einen Vorteil.




Wie es nun weiter geht, weiß ich noch nicht so genau. Doch es ist geplant, dass ich bis Ende September hier bleibe und in der Zeit werden in meiner Wohnung entsprechende Änderungen vorgenommen.

Aufgrund meines Aufenthalts in diesem Doppelzimmer habe ich meiner Betreuerin aber schon gesagt, dass ich froh bin wenn ich auch früher schon nach Hause kann, damit ich endlich meine Ruhe habe.

Aber auch hier kann ich generell sagen, die Mitarbeiter hier sind auch sehr hilfsbereit gegenüber den Bewohnern. Also da habe ich nichts zu meckern und kann sagen, dass die Bewohner hier sehr gut aufgehoben sind.

Ich selber werde mich jetzt wieder darauf konzentrieren, körperlich fit zu werden. Hier kommt auch 2 mal die Woche eine Therapeutin zu mir um Übungen zu machen. Und ich muss sagen, die Übungen haben mir deutlich gemacht, was diese bei mir bewirken. Und zwar in positiver Hinsicht.

Auch wenn ich in diesem Zimmer hier nicht glücklich werde, muss ich aber an mich denken und wieder aktiver werden. Denn ich will jetzt nicht für den Rest meines Lebens am Rollator gehen. Daher ist es für mich wichtig, fit zu werden um dann fit zu sein, wenn sich der besagte Nerv wieder normalisiert hat.

Mein Fazit:

Ich habe inzwischen gelernt, dass eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig ist. Natürlich wusste ich dies vorher schon. Aber aus verschiedenen Gründen habe ich nicht drauf geachtet.

Der Aufenthalt im Krankenhaus, in der Reha und nun in der Kurzzeitpflege ist weitgehend angenehm. Die meisten Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit.

Wir wissen alle, wie „bescheiden“ die Löhne und Gehälter im Pflegebereich sind. Und das halte ich gerade jetzt für absolut falsch. Denn ich habe mitbekommen, was diese Mitarbeiter leisten, damit es alten und kranken Menschen gut geht.

Auch wenn es eine ganz klare Fehlentscheidung ist, mich mit 49 Jahre zu einem 92jährigen Mann auf ein Doppelzimmer zu legen, fordere ich bessere Bezahlung für alle Pflegekräfte.

Wenn ich wieder zu Hause bin werde ich mich mal schlau machen, wie hoch der monatliche Zuschlag für eine Versicherung mit Einzelzimmer ist. Bisher habe ich nie den Gedanken gehabt, dass ich eines brauche. Aber so schnell kann sich das ändern.

Meine Lebensretterin Marion Ruthner fragte mich vor kurzer Zeit, ob es gut war, dass sie die Polizei angerufen hat oder ob mir lieber gewesen wäre, sie hätte es nicht getan. Grund dafür war, weil mir einige Dinge ziemlich auf die Nerven gingen und ich mit der Gesamtsituation sehr unzufrieden bin. Zur Zeit angefangen mit diesem Doppelzimmer hier. Aber auch, dass ich nun wieder lernen muss zu gehen. Und andere Kleinigkeiten.

Auch ist dann einem klar, auf wen an sich verlassen kann und auf wen nicht. Dann fängt an gedanklich an, für die Zukunft auszusortieren. Wer einem gut tun, und wer nicht. Leider fallen unter dem letzten Punkt viel mehr Leute.

Ich muss zugeben, für die Antwort musste ich erst mal überlegen. Denn es wäre mir einiges erspart geblieben, muss ich ganz klar sagen. Auf der anderen Seite habe ich mir vorgenommen, mein Leben ein wenig zu ändern, im Gegensatz zu früher. Und zwar im positiven Sinne. Ziel ist es, dass ich ein besseres Leben habe als bisher.

Ich bin sozusagen in der Verlängerung / Nachspielzeit meines Lebens. Und nun werde ich einige Dinge ändern, die ich bisher vernachlässigt habe. Da ich davon ausgehe, dass mir dies gelingen wird, wird der Rest meines Lebens besser werden als vorher. Und zu meinen Zielen gehört es auch, endlich die Frau fürs Leben zu finden. Der werde ich dann auch ein angenehmes Leben bescheren. Somit ist der Vorteil nicht nur bei mir sondern auch bei einer weiteren Person, die noch nichts von ihrem Glück weiß.




Meine Schlussfolgerung ist also, das Handeln von Marion war auf jeden Fall positiv. Auch wenn es jetzt noch einige Dinge gibt, die ich eher negativ empfinde. Aber wenn sich alles so entwickelt wie ich mir das vorgenommen habe, wird es positiv.

Wie das alles begann.

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