Montag, 30. Juli 2018

Meine Geschichte zum fast Lebensende


Wo war ich die ganze Zeit? Es ist ja einigen aufgefallen, dass ich längere Zeit nicht im Netz verfügbar war. Aber warum? Hier nun die Geschichte meiner Abwesenheit.

Es begann Mitte April. Ich bin in meiner Wohnung einige Male hingefallen. Es müssen wohl 4 oder 5 mal gewesen sein. Und ich habe es nicht verstanden. Für mich gab es keinen ersichtlichen Grund dafür. Ich bin zum Beispiel aus dem Bett aufgestanden. Ganz normal. Ich stand, ganz normal. Und dann bin ich umgefallen. Es tat nichts weh. Es fehlte einfach die Kraft in den Beinen. Und ich habe es nicht verstanden.

Beim letzten mal Hinfallen konnte ich aber nicht wieder aufstehen. Weder konnte ich mich aufs Bett hochziehen noch im Wohnzimmer auf einen Sessel. Mir fehlte einfach die Kraft. Und das habe ich nicht verstanden. Es hat nichts weh getan.

Donnerstags habe ich dann mit Marion Ruthner telefoniert, wie so oft. Aber ich habe ihr nichts davon gesagt. Dabei saß ich schon auf dem Boden des Wohnzimmers. Ich habe mit ihr so geredet wie immer.


Nach dem Telefonat wollte ich ins Bett gehen. Bzw. diesmal kriechen. Das ging zwar bis dort. Aber ins Bett kam ich nach wie vor nicht. Ich konnte mich nicht hochziehen. Eben weil mir die Kraft fehlte. Ich war dann so frustriert, dass ich einfach liegen geblieben bin. Zwischen Schlafzimmer und Flur in der Türe. Ich dachte nach. Und dann kam es auch so, dass ich irgendwann keine Lust mehr hatte. Ich dachte mir, ich hatte ein interessantes Leben. Habe viel erreicht und bewegt. Aber nun sollte das offenbar vorbei sein. Auch wenn ich erst 48 bin. Aber es lässt sich wohl nicht vermeiden. Nun gut. Auch wenn ich noch Einiges vor hatte in meinem Leben. Dinge, die ich nicht erreicht hatte. Aber nun sollte es wohl vorbei sein. Ich muss dabei sagen, es spielten hier wohl einige Faktoren eine Rolle. Ich würde nicht vom Balkon springen aus dem 8. Stock. Aber mir fehlte auch der Lebensmut. Keine Familie mehr. Entweder alle tot oder jeder lebt sein eigenes Leben. Keine Frau an meiner Seite. Entweder war ich immer nur der nette Kumpel oder die Liebe reichte nicht für immer. Egal ob bei ihr oder bei mir.

Ich wollte nur noch einschlafen und nie wieder aufwachen. Das ist mir auch so zum Teil gelungen. Wenn auch einige Male. Ich bin also mehrfach wieder aufgewacht und dann wieder eingeschlafen.

Es ging auch einige Male Telefon und Handy. Doch beides war für mich unerreichbar. Telefon war in der Ladestation im Wohnzimmer auf einem Schreibtisch und das Handy lag irgendwo im Bett weil ich es vorher dort hin geworfen hatte als ich ins Bett wollte. Aber ich wusste nicht wo es gelandet ist. Nachsehen konnte ich nicht weil ich ja nicht hoch kam.




Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass die ganze Sache offenbar mein Gehirn ziemlich angegriffen hatte. Denn ich war nicht ganz klar im Kopf. So stand zum Beispiel im Flur noch ein halbes Paket mit Cola Flaschen. So hätte ich also etwas Trinkbares gehabt. Aber ich habe in dieser Situation einfach nicht daran gedacht.

Dann klingelte es. Und zwar unten an der Haustür. Jedoch konnte ich nicht die Tür öffnen. Ich kam ja nicht hoch. Kurz darauf auch oben an meiner Wohnungstür. Es war die Polizei. Eine Beamtin. Sie klingelte, klopfte und rief nach mir. Dann konnte ich mit ihr durch die geschlossene Türe sprechen. Da ich ja nicht öffnen konnte, riefen die Beamtinnen die Feuerwehr. Diese öffnete die Türe obwohl ich 2 mal abgeschlossen hatte, den Schlüssel von innen stecken hatte und auch den Riegel vorgeschoben hatte. So konnte niemand so leicht einbrechen während ich schlief. Doch die Feuerwehr öffnete die Tür trotzdem. Wenn auch mit starken Geräuschen wie Bohrmaschine um das Schloss aufzubohren.

Dann standen 2 Sanitäter vom Rettungswagen neben mir und sprachen mit mir. Um zu erfahren was los ist und vermutlich auch um zu sehen ob ich ansprechbar war.

Ich wurde dann zum Rettungswagen auf einer Liege gerollt. Die Feuerwehr hatte das Schloss ausgetauscht damit die Tür wieder abschließbar war.

So kam ich am 21.04. in das Krankenhaus Lendersdorf, bei Düren. Zudem wurde ich dort untersucht. So musste ich zum Beispiel drei mal in die „Röhre“ zum Röntgen, damit festgestellt werden konnte, was bei mir los war. Aber das war trotzdem nicht so einfach. Das erste Ergebnis sagte, ich hätte wohl eine Entzündung im Rückenmark. Nach dem zweiten Mal hieß es, ich hätte wohl beginnende MS (Multiple Sklerose) und beim dritten mal hieß es, ich hätte einen Nerv entzündet. Letzteres konnte ich dann auch am ehesten nachvollziehen. Das was passiert ist in meiner Wohnung konnte ich mir nun erklären. Meine Erfahrungen in der Wohnung passten zu dieser Diagnose.

Ursache dafür war offenbar die jahrelange falsche Ernährung, die ich mir „gegönnt“ hatte. Auch wenn mir nicht bewusst war, dass dies solche Folgen haben kann. Aber mir fehlten wohl viele Nährstoffe, die man normal über das Essen bekommt. Also Vitamine und Spurenelemente und so weiter.

Dies hat dann letztendlich zu dieser Sache geführt. Hätte ich gewusst, was das für Folgen haben kann, hätte ich das sicher frühzeitig geändert.

Darum kann ich nur JEDEM raten, sich ausgewogen zu ernähren. Das heißt viele verschiedene Dinge essen statt nur Pizza, weil diese schnell und einfach im Ofen warm zu machen ist.

Im Krankenhaus wurde ich also untersucht und dann mit Kortison voll gepumpt. Erst per Infusion und dann in Tablettenform. Dies sollte dann gegen die Entzündung ankämpfen.

Nach 2 Wochen wurde ich vom Krankenhaus per Krankenfahrt eines Taxiunternehmens in die Reha gebracht. Das war am 07.05.

Und ich muss sagen, dort wurde ich wirklich wieder „aufgepeppelt“. Als ich dort hin kam, lag ich auf einer Liege. Ich bekam dort zum Glück ein Einzelzimmer, und hatte dort meine Ruhe. Jedoch ich konnte bei weitem nicht einfach den ganzen Tag im Bett liegen. Ich hatte Termine und musste zu Therapien. Montags bis Samstags. Also Urlaub war das bei Weitem nicht. Schon allein weil es dort einige Dinge gab, die mich nach und nach massiv störten. So waren die Aufzüge ständig überfüllt am Tage. Das ist dann besonders schlecht für Patienten im Rollstuhl. So wie ich es anfangs war. Also die Aufzüge waren zu klein oder zu wenig. Das sollte man ändern. Denn ich war ja nicht der Einzige der sich daran störte.

Doch es gab noch weitere Dinge, die mich dort störten. So zum Beispiel die Terminplanung. Wir bekamen am Wochenende ein Blatt mit unseren Terminen für Anwendungen in der kommenden Woche. Doch diese Termine waren manchmal zeitlich so eng gelegt, dass es fast unmöglich war, pünktlich zum nächsten Termin zu erscheinen. Auch wenn es 2 Orte auf der gleichen Etage waren. Doch gewisse Umstände wie Verspätungen beim 1. Termin wurden dabei nicht berücksichtigt. Dafür gab es manchmal auch Termine die mehrere Stunden Zeit dazwischen hatten, so dass man gar nicht wusste, was man in dieser Zeit machen soll. Also die Terminplanung war für mich ein klares Manko.

Dann gab es auch im ganzen Haus gewisse „Stolperfallen“ für Rollstuhlfahrer. Und dabei sind viele Patienten erst mal auf den Rollstuhl angewiesen. Sonst bräuchten sie vielleicht keine Reha.
Was mir auch sauer aufgestoßen ist, sind die Kosten für TV und Internet. Viele wollen oder können dies nicht bezahlen. Dann müssen sie sehen, was sie am Abend und am Wochenende mache um die Zeit rum zu bekommen. Dabei sehe ich das eigentlich auch als Teil und Grund, wieder gesund zu werden.

Und besonders die Aufzüge waren gerade am Tage ein Grund sich aufzuregen. Und zwar bei allen Patienten, wie ich das mitbekam. Es gibt 2 Aufzüge, die von allen genutzt werden konnten, und 1 Aufzug, der von Mitarbeitern genutzt wurde weil man dafür einen Schlüssel braucht. Damit wurden zum Beispiel die Essenswagen hoch und runter gefahren, die das Essen für die Patienten hatten, oder Müll und andere Dinge. Aber auch von Mitarbeitern, die Patienten zu ihren Anwendungen brachten. Was auf Grund der fehlenden Platzverhältnisse auch nicht immer einfach für die Mitarbeiter ist.
Hier fehlen also ganz klar 2 Aufzüge oder größere Aufzüge. 1 Aufzug für alle, also den öffentlichen Bereich, und 1 Aufzug für das Personal. Das Gebäude wurde offenbar mal als Sporthotel gebaut. Und über die Jahre immer wieder erweitert und vergrößert. Darum vermutlich die vielen Bodenleisten, die als Hindernisse für Rollstuhlfahrer zu erkennen sind. Aber die Aufzüge wurden wohl nicht vermehrt / vergrößert.

Doch ich kann auch Positives über dieses Haus sagen. Zum Einen sind viele Mitarbeiter freundlich und hilfsbereit. Und das kann ich über langjährige wie auch über Praktikanten sagen, oder auch über Leute die ein freiwilliges soziales Jahr dort machen. Es gab also nur wenige Mitarbeiter, mit denen ich lieber keinen Kontakt hatte.

Zudem haben die Therapien bewirkt, dass ich wieder „aufgepeppelt“ wurde. Als ich dort ankam vom Krankenhaus, war dies auf einer Liege. Also liegend war ich. Heute kann ich wieder gehen. Zwar am Rollator, aber das liegt auch an der Sache ansich. So eine Entzündung geht nicht so schnell weg. Man kann da auch nichts beschleunigen. Das sagten mir verschiedene Leute unabhängig voneinander. Ich kann also nur abwarten bis das weg geht.




Also auch wenn ich dort einige negative Dinge festgestellt habe, wie oben erwähnt, kann ich über die Anwendungen nichts sagen. Um es klar zu sagen, die Mitarbeiter sind zum großen Teil nett und hilfsbereit. Aber das Gebäude und einige organisatorische Dinge sind nicht dafür geeignet.

Nachdem ich dann über 8 Wochen dort war, bin ich nun in einer Kurzzeitpflege. In einem Heim, dass überwiegend für ältere Menschen ist. Also eine Art Altersheim. Ich bin zwar nun erst kurze Zeit hier. Aber bisher kann ich nichts Negatives sagen. Die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit. Die Örtlichkeit ist übersichtlich eingerichtet und alles Notwendige ist vorhanden. Ich habe dieses Haus gewählt, weil es hier Einzelzimmer gibt und davon konnte ich eines nehmen.

Denn ich muss und will nach allem was passiert ist auch mal zur Ruhe kommen. Das war bisher nicht so einfach. Erst Krankenhaus, dann Reha. Auch in der Reha hatte ich ein Einzelzimmer. Aber trotzdem kam ich dort nicht zur Ruhe. Der Grund ist hier nicht bei der Einrichtung als Solches zu suchen. Es waren eher meine Gedanken, die keine Ruhe gaben. Und ich hoffe diese Ruhe nun hier in meiner momentanen Behausung zu finden.

Aber ich kann bei den bisherigen Stationen den Mitarbeitern ein Lob aussprechen. Auch wo ich die Reha hatte. Denn die Mitarbeiter sind kompetent, freundlich und hilfsbereit. Egal ob im Krankenhaus, in der Reha oder jetzt hier in der Einrichtung.

Wir wissen alle, dass die Bezahlung im Pflegebereich nicht sehr hoch ist. Das dürfte der Grund dafür sein, dass immer weniger Leute diesen Beruf ergreifen möchten. Und das halte ich für falsch. Denn gerade jetzt habe ich gesehen, wie wichtig diese Berufe sind. Denn hier wird Leuten geholfen, die gar nicht dafür können, dass sie auf Hilfe angewiesen sind. Und solche Menschen werden hier gebraucht. Darum fordere ich:

BESSERE BEZAHLUNG FÜR ALLE MITARBEITER IM PFLEGEBEREICH!!!!

Es wird hier sicher eh keiner lesen, der etwas ändern könnte. Aber vielleicht hilft es ja. Denn diese Forderung kommt von einem Menschen, der mehrere Wochen auf diese Leute angewiesen war. Und ich kann mich kaum darüber beschweren. Die paar Ausnahmen erwähne ich nicht, weil wir alle mal einen schlechten Tag haben. Das ist nur menschlich.

Doch im Großen und Ganzen kann ich sagen, mir wurde geholfen und der Kontakt war zum großen Teil angenehm. Und dafür danke ich den betreffenden Mitarbeitern, auch wenn ich hier keine einzelnen Namen erwähne.

Nun bin ich in der Kurzzeitpflege in ein Doppelzimmer verlegt worden mit einem Mann von 92 Jahren. Der tut mir zwar nix. Aber das passt absolut nicht zusammen. Das bewirkt nur, ich bin echt froh wenn ich wieder nach Hause kann. Ich hatte mir vorher schon mal überlegt, ich würde ja gerne mal hier bleiben. Aber der Gedanke hat sich erledigt. Ich bin lieber in meiner eigenen Wohnung, wo ich nachts durchschlafen kann ohne Geräusche um mich rum. Und der Begriff „Geräusche“ ist noch nett ausgedrückt. Damit ist mein guter Eindruck von dem Haus mit einem Schlag ins Negative gesetzt worden.

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