Meine Erfahrung mit MS

Wie wurde die MS bei mir festgestellt?

Meine Erfahrung mit MS
 

Bei mir wurde die MS festgestellt im Sommer 2018. Nachdem ich in meiner Wohnung 5 mal umgefallen war und mir dies nicht erklären konnte. Beim 5. mal konnte ich nicht mehr aufstehen. 

Ich hatte im Vorfeld, eigentlich schon mindestens 3 Jahre vorher, gemerkt, dass irgendwas nicht stimmte. Weil ich unbeweglicher wurde und selbst beim Gehen unsicher war. Aber ich dachte mir, das liegt daran, dass ich die letzten Jahre so inaktiv geworden bin, nachdem was bei mir so im familiären Umfeld so passierte. Oma, Opa, Onkel, Mutter, und Jahre vorher auch mein Vater gestorben, und meine andere Oma. Sowas prägt dann schon ziemlich und zieht einen runter. Da lebt man jahrelang, alles ist ok, und dann in wenigen Jahren kommt alles in kurzer Zeit, was bei anderen logischer Weise auch passiert. 

Ich weiß nicht ob diese seeliche Belastung über die Jahre auch mit ein Auslöser war. Denn dazu kam ja auch noch 3 Firmen, für die ich gearbeitet habe, die geschlossen wurden. Und ich hatte da zum großen Teil eine schöne und interessante Zeit. Jedenfalls war das alles zu viel in der kurzen Zeit. Selbst für mich.

Tja, nun war es also so gekommen, dass ich zu Hause, wie gesagt, 5 mal umgefallen war. Ich konnte mir das nicht erklären. Denn es tat mir ja nichts weh. Aber beim 5. mal konnte ich eben nicht wieder aufstehen. Mir fehlte die Kraft. Das kannte ich gar nicht. Es tat nichts weh, ich hatte nur einfach keine Kraft mehr. Das war im April 2018. 

Ich lag dann 3 Tage hier auf dem Boden. Zwischendurch schlief ich immer wieder mal ein. Aber ich wurde auch immer wieder wach. 

Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Und ich war dann auch irgendwann soweit, dass ich einfach nur einschlafen und nie wieder aufwachen wollte. Denn es war ja eh niemand mehr in meinem Leben, für den es sich gelohnt hätte zu leben. Also was sollte ich noch hier?

Aber es hat nicht sollen sein. Denn eine liebe Freundin, Marion Ruthner, vermisste mich im Netz. Ich war ja sonst täglich im Netz. Und nun plötzlich nicht mehr. Sie versuchte mich anzurufen. Ich hörte das Telefon und das Handy auch. Aber ich konnte nicht dran gehen. 

Nachdem ich 3 Tage dort lag, rief Marion die Polizei hier in Düren an. Die sollten mal nachsehen ob alles ok war. Denn meine Abwesenheit im Netz und das sie mich nicht telefonisch erreichen konnte, kam ihr seltsam  vor. Untypisch für mich. 

Dann klingelte es an meiner Tür. Aufmachen konnte ich aber nicht Dann hörte ich eine Polizistin an meiner Wohnungstür. Sie klingelte und rief nach mir. durch die geschlossene Wohnungstür konnte ich ihr sagen was los war. 

Sie rief dann die Feuerwehr. Diese öffnete die Wohnungstür. Ich hatte ja auch wie immer von innen abgeschlossen und den Schlüssel stecken. Kurz darauf standen 2 Sanitäter neben mir und ich glaube auch ein Notarzt. 

Anschließend kam ich ins Krankenhaus. Ich war geistig nicht ganz klar. Denn ich hatte ja mit dem Leben abgeschlossen. Ich wusste schließlich was passiert, wenn ich ein paar Tage nichts mehr trinken konnte. 

Außerdem dachte ich mir, schöner kann ein Tot nicht sein. Einfach einschlafen und nichts mehr mitkriegen. 

Aber es kam eben anders. Dank Marion. Am 21.04.2018 sehe ich daher als meinen zweiten Geburtstag. Denn es wäre unweigerlich zum Tod gekommen, hätte Marion nicht die Polizei angerufen. Es war mir zwar egal. Aber dann wäre ich ja sinnlos jahrelang zur Schule gegangen. :-) Und Marion ist damit meine Lebensretterin. 

Im Krankenhaus war ich dann rund 2 Wochen. Ich wurde untersucht, bekam einen Rollator, aber gehen war ja noch gar nicht drin. Ich lag nur im Bett. Und dazu hatte ich auch gar keine Motivation, irgendwas zu machen. Ich tat es nur weil die es wollten. Als mir ein Arzt sagte ich hätte MS, fragte ich noch, wie soll ich denn daran kommen? In meiner Familie hat keiner MS. Er meinte aber, das kann jeder bekommen. 

Nach 2 Wochen Krankenhaus wurde ich direkt in die Reha gebracht. In der Nähe von Euskirchen. Dort fuhr ich die ersten Wochen nur mit dem Rollstuhl rum. Ich hatte täglich Therapien. Außer am Sonntag. Aber in meinem Einzelzimmer hatte ich auch die Zeit, über das, was passiert war, nachzudenken. Wenn man mit dem Leben abgeschlossen hat, sowas bleibt nicht ohne Folgen. 

Doch mir war klar, dass irgendwas mit mir nicht stimmte. Also in geistiger Hinsicht. Darum wollte ich mit einer Psychologin reden. Beim ersten Gespräch sagte sie schon nach 10 Minuten, ich hätte eine Depression. Das kam nicht überraschend. Denn ich hatte es mir schon gedacht, bei meinen Überlegungen. 

Ich saß auch auf unten in einer großen Halle in meinem Rollstuhl und starrte so vor mich hin. Ich wollte nur die Bewegung der anderen Leute um mich rum haben. 

Zwar hatte ich da auch Kontakt zur ein oder anderen Dame. Aber das hat sich hinterher eh im Sande verlaufen. 

Nach der Reha ging es in die Kurzzeitpflege. Auch dort hatte ich in den ersten 4 Wochen ein Einzelzimmer. Was ich sehr angenehm fand. Doch dann musste ich in ein Doppelzimmer und dies mit einem 92jährigen Mann teilen. Wir gingen zwar Respektvoll miteinander um  und beschränkten die Kontakte auf ein Minimum. Jedoch gab es dort trotzdem viele Dinge, die mich massiv nervten. Ich war froh, als ich nach dieser Zeit wieder zu Hause war. Dies hat dann auch dafür gesorgt, dass ich in dieses Pflegeheim nie wieder gehen würde. Dies hat mir die Zeit dort sehr vermiest. Ich habe zwar auch dort nette Damen kennen gelernt, zu denen ich heute keinen Kontakt mehr habe, aber die Erfahrung in dem Doppelzimmer hat mir diese Zeit dort echt versaut. 

Nichts gegen den Mann. Aber das passte nun mal einfach nicht, mich, damals 49, mit einem 92jährigen Mann zusammen auf ein Zimmer zu legen. Dafür hasse ich die betreffende Dame heute noch. 

Ein Grund für die MS war sicher auch meine einseitige Ernährung in den Jahren davor.. Wenig Vitamine und andere Inhaltsstoffe. Zuhause bekam ich dann täglich mein Mittagessen nach Hause geliefert. Auch bekam ich meine Medikamente vom Roten Kreuz. In den ersten 2 Wochen täglich. Dann nur noch einmal die Woche. Ich fand das äußerst nervig, als die Medikamente täglich kamen. Auch weil ich das Gefühl hatte, die Dame behandelt mich wie ein kleines Kind, oder einen dementen alten Mann. Darauf komme ich in einem anderen Beitrag noch zurück

Für den Haushalt bekam ich dann auch eine Haushaltshilfe, die am Anfang 3 mal die Woche kam. Doch auch darauf komme ich später in einem anderen Beitrag zurück. 

Mein Leben ist heute anders als früher. Früher war ich aktiver. Ich habe Kampfsport gemacht, war im Betriebsrat, Versandleiter, sehr oft unterwegs, vor allem privat. Heute sitze ich meist im Rollstuhl. Kann zwar kurz gehen, aber nur am Rollator. Alles was geht, mache ich in meiner Wohnung selber. Wie Wäsche waschen. So bleibe ich in Bewegung. Was nötig ist, aber auch dazu später mehr. Aber vieles geht halt auch nicht. Dafür hab ich eine Haushaltshilfe. 

Ich will in Zukunft auf die verschiedenen Aspekte der Krankheit und das Leben damit eingehen. Medizinisch gesehen ist ein Arzt natürlich besser geeignet. Aber meine hiesigen Beiträge sind für Leute, die leider neu an MS erkrankt sind oder für die Menschen in deren Umgebung, damit sie wissen womit sie es zu tun haben. Denn das dies oft nicht der Fall ist, habe ich schon einige Male mitbekommen. 


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