Das Leben nach dem Tot

Das Leben nach dem Tot. Ich war zwar nicht körperlich tot, aber auf dem Weg dahin und auch geistig schon aus dem Leben raus. 

Heute fand ich bei der Durchsicht meiner Memory-Seite einen Post von vor 2 Jahren. Ich hatte in der Kurzzeitpflege einen Beitrag gepostet. 


Wer es nicht weiß, hier eine kurze Zusammenfassung: Ende April bin ich in meiner Wohnung 5 mal umgefallen und wusste nicht warum. Jedenfalls konnte ich beim letzten Mal nicht wieder aufstehen. Ich lag dann 3 Tage auf dem Boden. Ich verstand nicht was los war. Und dann war es mir aber auch egal. Ich hatte dann irgendwann mit meinem Leben abgeschlossen. Da ich ja nichts essen und trinken konnte, war mir klar was kam. Aber es war mir egal. Denn ich hatte eh niemanden mehr. Also was hielt mich noch hier? Ich wollte nur einschlafen und nie wieder aufwachen. Hat nicht ganz geklappt. Ich wurde immer wieder wach. Zuletzt weil die Polizei an einer Wohnungstür klopfte und klingelte. 
Diese wurde von einer lieben Freundin aus Süddeutschland allarmiert. Marion Ruthner. Denn sie konnte mich nicht mehr erreichen und im Netz war ich auch nicht mehr anwesend. So rief sie hier in Düren bei der Polizei an und die kamen gucken was los war. 

Ich kam dann ins Krankenhaus. Ich lag die meiste Zeit in meinem Bett und grübelte nach. Nach rund 2 Wochen glaube ich ergab es sich, dass mein Bettnachbar seine Frau vermisste und ich halb ihm sie zu suchen. Also telefonisch. Ich machte für ihn ei paar Anrufe. Darunter auch die Polizei. Am Ende kam raus, sie wollte sich zu Hause umbringen und wurde dann aber gerettet, nachdem der Rettungsdienst rund 2 Stunden vor Ort gearbeitet haben um sie am Leben zu halten. 
Ich war selber von mir überrascht, dass ich da so eine Motivation hatte ihm zu helfen, nachdem ich doch selber völlig weggetreten war und geistig schon tot war. 

Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass ich MS habe. Wusste ich vorher nicht. Ich hatte zwar in den letzten Jahre gemerkt, dass etwas anders war. Dass ich zum Teil nicht mehr richtig gehen konnte und beim Gehen zum Teil schwankte, als hätte ich getrunken. Aber ich hab mir da nicht wirklich Gedanken drüber gemacht. Denn ich schob das auch auf die Inaktivität der letzten Jahre, nachdem meine Mutter, Vater, Oma, Opa, Onkel gestorben sind und ich deswegen ziemlich lustlos war für alles. Dazu der Stress über rund 1,5 Jahre wegen meiner Mutter, weil ich mich um alles gekümmert hatte als sie im Krankenhaus und dann im Altersheim war. 

Die Reha

In der anschließenden Reha lernte ich wieder das Laufen. Ich merkte aber auch, dass ich oft nur da in meinem Rollstuhl saß, und vor mich hin grübelte. Ich saß in meinem Zimmer und guckte zur Fenster raus, saß unten in der großen Halle und schaute den Leuten zu die sich dort aufhielten, oder saß vor der Tür und guckte auf die Autos der Besucher die kamen und fuhren. Aber grübelte ich über mein Leben. Darum wollte ich mit einer Psychologin reden. Denn ich wollte wissen was los ist. Nach 10 Minuten Gespräch sagte sie mir, ich hätte eine Depression. 

Ich hatte es mir gedacht. Nachdem, was in den letzten Jahren in meinem Leben alles gelaufen und passiert ist. 

Die Kurzzeitpflege

Nach der Reha kam ich in die Kurzzeitpflege, wo ich dann auch mein Laptop wieder hatte und den obigen Post machen konnte. 

Hier konnte ich dann die Seele baumeln lassen und mit mir wieder ins Reine kommen. 

Insgesamt war ich 5 Monate von zu Hause weg. Und es war eine Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde. Seitdem mache ich mir auch weiterhin Gedanken. 

Mein Leben ist inzwischen völlig anders als vor 2 Jahren. Nachdem ich auch im Rücken muskuläre Probleme habe und schon einige Male umgekippt bin, was Anfang des Jahres wieder das Krankenhaus mit anschließender Kurzzeitpflege brachte, sitze ich nun vorwiegend im Rollstuhl. Ich will nicht wieder umkippen und zum Krankenhaus müssen. Und das Lustige ist, im Rollstuhl bewege ich mich mehr als mit dem Rollator. Also ich kann zwar nachwievor gehen mit Rollator, doch in der Wohnung bewege ich mich vorwiegend im Rollstuhl. Da ich alleine lebe will ich nicht wieder ne Zeit auf dem Boden liegen und nicht aufstehen können. 

Die Gedanken der letzten 2 Jahre

Seit 2 Jahren mache ich mir immer wieder Gedanken. Über mein Leben, was ich alles geschafft habe, bis jetzt, wo ich in Frührente bin. War es das? War das schon mein Leben? 

Wenn ich überlege wie ich früher war, und wie ich heute bin, dann ist das schon ein ziemlicher Unterschied. Damals hatten manche Menschen Respekt, fast schon Angst vor mir. Allein durch mein Auftreten. Heute rolle ich mit Rollstuhl durch die Wohnung. Was für ein Abstieg. 

Aber so ist das manchmal im Leben. Mal ist man "oben", mal ist man "unten". Man kann nur das Beste draus machen. 

Jedenfalls bekommt man nach so einem Vorfall einen anderen Blick auf die Dinge. Dinge die früher mal wichtig waren, spielen heute keine Rolle mehr. Das betrifft auch manche Menschen. Auch diese haben an Bedeutung verloren. Man sieht die Dinge realistischer. Weniger gefühlsbetont. Und das ist gut so. 

Jenseits, Tod, Leben Nach Dem Tod, Ewiges Leben

Meine Pläne

Eigentlich dachte ich immer, wenn man in Rente ist, dann ist das Leben vorbei. Denn dann kommt nix mehr. Rente ist das Lebensende. Aber ich bin aktuell 51. Soll es das schon gewesen sein? Nein. Ich für mein Teil habe nicht vor, nun auf den Tod zu warten. Das dauert mir zu lange. :-)

Ich habe noch was vor. Und daran arbeite ich zwar schon täglich. Aber leider nur mit "halber Kraft". Denn ich bin geistig noch nicht da, wo ich mal war. Ob ich da mal wieder hin komme weiß ich nicht. Aber ich habe es vor. 

Die Depression wirkt sich nach wie vor aus. Und zwar mit Antriebslosigkeit. Mal mal, mal weniger. Damals vor 2 Jahren wurde mit angeraten wegen der Depression in die LVR Klinik zu gehen. Doch das hatte ich abgelehnt. Auch wenn es Ärzte sind, aber ich wollte nicht mit fremden Menschen über mein Leben reden. Die Entscheidung war richtig, kann ich jetzt als Fazit sagen. 

Ich habe mir meinen festen Tagesablauf festgelegt. Wann ich was mache. Das hilft bei Depressionen. Und dazu habe ich wie schon erwähnt neue Pläne. Dass ich jetzt in Rente bin, ist zwar hilfreich, weil es den Druck nimmt etwas tun zu müssen. Doch dies soll nicht für immer sein. Jedenfalls habe ich das vor. 

Meine Pläne nenne ich jetzt hier bewusst nicht. Sonst kommt mir noch jemand zuvor. :-) 

Fazit

Mein Leben ist nicht mehr das, was es mal war. Und wird es auch nie wieder sein. Doch ich versuche, aus den vorhandenen Umständen das Beste zu machen. Auch wenn dies nicht so schnell geht, weil ich geistig noch lange nicht wieder der Alte bin. Doch ich will meine Pläne umsetzen. Als Rentner habe ich die Zeit dafür. Die MS wird nie wieder weg gehen. Das ist mir klar. Aber die Depression kann ich ändern. Es dauert nur seine Zeit. Nach den Ereignissen der letzte Jahre, lässt sich das nicht so schnell "reparieren". 

Aber hat schon längst begonnen. Das Leben nach dem Tot.

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